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Vinyl-Revival: Die Legende lebt

5. April 2016

Vinyl-Revival: Die Legende lebt

Zur IFA 2015 wurde die Musikwelt von der Nachricht aufgerüttelt, der legendäre japanische HiFi-Spezialist Technics werde einen neuen 1200er auflegen.

 

Eine kleine Sensation.

 

Jawohl, der Technics 1200 ist ein Plattenspieler. Dabei kam die Vinyl-Schallplatte, in ihrer heute bekannten Form als meist schwarze PVC-Scheibe von meist 30,5 cm Durchmesser, schließlich schon in den frühen 1930er Jahren in den Handel.

In Zeiten von Mobile-Gadget-Flut mitsamt Digital-Musik- und Streaming-Boom ein totes Medium, sollte man glauben. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.

Auch mehr als drei Jahrzehnte nach Markteinführung der Compact Disc (CD) ist die Schallplatte aus Vinyl nicht totzukriegen und verzeichnet sogar Wachstum: Laut den Marktforschern von Nielsen Soundscan ist in den USA der Verkauf von Schallplatten 2014 um satte 52 Prozent gestiegen, 2015 konnte man erneut 30 Prozent zulegen und knapp zwölf Millionen Schallplatten verkaufen – während der CD-Absatz stetig abnimmt (laut RIAA minus 32 Prozent).

Mehr als 80.000 Plattenspieler verkauft in 2015

Im Consumer-Electronics-Segment Audio erlebt damit auch der Schallplattenspieler neue Aufmerksamkeit. Laut der GfK wurden alleine in Deutschland im Jahr 2015 über 80.000 Plattenspieler in einem Preisbereich von circa 100 Euro bis über 5.000 Euro verkauft.

Damit sind die Stückzahlen zwar nicht bis zu vergangenem Glanz aufgestiegen, dennoch lohnt sich der Re-Issue von Ikonen der eigentlich totgeglaubten Vinyl-Ära.

In Kürze gibt’s daher den SL1200 von Technics als Limited Edition mit nur 1200 Stück namens „Technics 50th Anniversary Grand Class SL-1200GAE“. Später im Jahr wird Panasonic, der Markeninhaber des Technics-Brands, einen „normalen“ 1200er auf den Markt bringen - beide allerdings zu audiophilen Preisen.

Sony setzt ebenfalls auf Revival

Auch andere HiFi-Hersteller lassen sich vom Vinyl-Revival inspirieren. So hat Sony Anfang des Jahres den HX500 angekündigt, einen sehr gepflegt aussehenden Plattenspieler mit Digitalwandler und USB-Anschluss.

Im Unterschied zum Technics, der über einen starken Direktantriebsmotor verfügt, hat der neue Sony nur einen Riemenantrieb - ist daher weniger discotauglich, sondern mehr was für zuhause.

Der 1200er ist zurück - die Welt wieder in Ordnung

In den letzten Jahren konnten Hobby-DJs und Vinyl-Enthusiasten zwar auch einige direkt- und riemengetriebene Plattenspieler unterschiedlichster Hersteller erwerben. Aber mit dem Technics 1200 ist nun der König der Plattenspieler zurück, jetzt ist die Welt wieder in Ordnung. Zumindest die Schallplattenwelt.

Man kann die Musik, statt sie nur anzuklicken, wieder in der Hand halten, sie vorsichtig aus der Papierhülle ziehen, behutsam auf den Plattenteller legen, den Tonarm daraufsetzen und die ganz leicht harmonisch verzerrte Wiedergabe mit gelegentlichen, kaminfeuerartig knacksenden Staubteilchen und Kratzerchen genießen.

Ein winziges bisschen echte Welt eben.

„Es ist ein sehr emotionales Erlebnis, wieder einmal eine Platte aufzulegen“, sagt Jürgen Boyny von der GfK. „Technische Innovationen alleine reichen offensichtlich nicht – davon sollte sich der gesamte CE-Bereich inspirieren lassen.“ 

Weblinks:

Foto: Hersteller/Technics

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