Übersicht
gfu Studie 2017: Motive, Einstellungen und Kaufkriterien –...

11. Juli 2017

gfu Studie 2017: Motive, Einstellungen und Kaufkriterien – Konsumtrends in der Consumer- und Home Electronics


 

 

Technik-Nutzung auf hohem Niveau, aber altersabhängig

– Ausgabebereitschaft hoch, aber Diskrepanz zur tatsächlichen Ausgabe
– TV-Nutzung bleibt attraktiv; Zuschauer sind zunehmend zeitautonom; jüngere Zuschauer
   bereit, für Programme zu bezahlen
– Quo vadis VR?
– Geteilte Meinung zur vernetzten Gesundheit
– Kochen weiterhin sehr beliebt, höhere Ausgaben

 

Bleibt der Fernseher das beliebteste Gerät der Consumer Electronics? Verdrängen Streaming und Abo-Dienste das traditionelle Fernsehen? Wie wichtig sind Bildqualität und Bildschirmgröße? Wird Virtuelle Realität zum Marktrenner? Genießt Telemedizin zunehmend Vertrauen? Werden die Deutschen ein Volk von Hobby-Köchen? Wird die Küche gar das neue Wohnzimmer? Dies waren nur einige Fragen, einer repräsentativen Studie mit der Befragung von 2.000 Haushalten in Deutschland, die im Mai dieses Jahres von Value_A Marketing Intelligence im Auftrag der gfu Consumer & Home Electronics GmbH durchgeführt wurde.
Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu, stellte die Ergebnisse der gfu Studie am 11.Juli im Rahmen des Veranstaltungsformats gfu Insights & Trends vor rund 400 Journalisten sowie Teilnehmern aus Industrie und Handel vor.

 

Technik-Nutzung auf hohem Niveau, aber altersabhängig

Die Technik im Haushalt wird intensiv genutzt, allerdings unterschiedlich stark in den Altersgruppen. Der PC steht hier mit 90 Prozent erstmals an der Spitze, dicht gefolgt vom Fernseher mit 89 Prozent. In der Altersgruppe 60+ liegen beide Produkte sogar bei 95 Prozent. Auf Rang drei platziert ist das Smartphone mit 83 Prozent. Mit 91 Prozent liegt die Nutzung hier in der Altersgruppe der 16 bis 39 Jährigen deutlich über dem Gesamtwert. Internet-Router werden von 77 Prozent und Tablet-PCs von 50 Prozent der Befragten genutzt.

 

Noch stärker altersabhängig sind die Angaben bei Spiele-Konsolen, Audio-Streaming und der Smart Home-Ausstattung. So liegt der Wert für die Nutzung von Spiele-Konsolen im Schnitt bei 28 Prozent. Für die 16 bis 39 Jährigen dagegen liegt er bei 47 Prozent, während nur sieben Prozent der über 60 Jährigen mit der Konsole spielen. Ein ähnliches Bild zeigt sich für Audio-Streaming: Im Durchschnitt liegt die Nutzung bei zwölf Prozent, während aber 22 Prozent der 16 bis 39 Jährigen streamen und nur vier Prozent bei der Generation 60+. Über alle Altersgruppen hinweg besitzen acht Prozent der in der gfu Studie Befragten eine Smart Home-Ausstattung. Dabei haben 14 Prozent der 16 bis 39 Jährigen und nur drei Prozent der über 60 Jährigen ein Zuhause mit smarter Technik.

 

Die jüngere und die ältere Generation gehen auch mit ihren Smartphones ganz unterschiedlich um. Soziale Medien nutzen 66 Prozent der 16 bis 39 Jährigen, die über 60 Jährigen nur zu 39 Prozent. Der Durchschnitt liegt bei 53 Prozent. Nachrichten und Artikel lesen 43 Prozent aller Befragten mit dem Smartphone, bei den 16 bis 39 Jährigen sind es jedoch 52 Prozent und nur 38 Prozent in der Altersgruppe 60+. Eine ähnliche Verteilung ergab die Nutzung von Informationen zu Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Der Schnitt liegt bei 36 Prozent. 49 Prozent der 16 bis 39 Jährigen planen ihre Fahrten mit dem Smartphone, aber nur 27 Prozent der über 60 Jährigen. Waren und Dienstleistungen bezahlen 36 Prozent der Befragten mit dem Smartphone, die 16 bis 39 Jährigen erledigen dies zu 49 und die Gruppe 60+ zu 21 Prozent. Preisvergleiche mit dem Smartphone führen insgesamt 32 Prozent durch. Mit 38 Prozent liegen wieder die 16 bis 39 Jährigen an der Spitze, während sich die über 60 Jährigen dieser Möglichkeit nur zu 23 Prozent bedienen.

 

Anschaffungsabsicht hoch, aber Diskrepanz zu tatsächlicher Ausgabe

Kaum Altersunterschiede gibt es bei der Anschaffungsabsicht für das Jahr 2017. Die Liste der Top 5 wird vom Smartphone (19 %) angeführt, Elektrokleingeräte zur Körperpflege folgen auf Platz zwei mit 17 Prozent. 15 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, sich ein Elektrokleingerät für die Küche kaufen zu wollen. Sonstige Elektrokleingeräte für den Haushalt stehen ebenso wie TV-Geräte bei 13 Prozent der Befragten auf der Einkaufsliste für 2017.

 

Eine große Lücke zeigt sich beim Vergleich der Ausgabebereitschaft für Fernseh-Geräte mit den tatsächlich beim Kauf ausgegebenen Summen. So liegt der Durchschnittspreis aller verkauften TV-Geräte aktuell bei rund 600 Euro. Die im Rahmen der gfu Studie befragten Bürger sind aber bereit, zwischen 800 und 900 Euro für das nächste Fernsehgerät auszugeben. 43 Prozent (im Vorjahr 30 %) sind sogar bereit, mehr als 1.000 Euro auszugeben und elf Prozent wollen über 1.400 Euro investieren. Erstmals gaben die Studienteilnehmer als häufigsten Kaufgrund mit 47 Prozent die hohe UHD-Bildauflösung an (Vorjahr 36 %). Der größere Bildschirm als Kaufmotiv wurde mit 41 Prozent (Vorjahr 47 %) auf Platz zwei verdrängt. Der drittwichtigste Grund für die Neuanschaffung bleibt, wie bei der Befragung 2016, Smart TV mit 31 Prozent (Vorjahr 29 %).

 

Hans-Joachim Kamp bemerkt dazu: „Industrie und Handel gelingt es offenbar nicht, die Ausgabebereitschaft in vollem Umfang abzurufen. An der Leistungsfähigkeit und der Ausstattung der Geräte ist dies nicht festzumachen, denn mit Ultra HD und großen Bilddiagonalen gibt es ausreichend Argumente in der Kaufberatung, was unsere Studie auch belegt.“

 

TV-Nutzung bleibt attraktiv; Zuschauer sind zunehmend zeitautonom; jüngere Zuschauer bereit, für Programme zu bezahlen

Des Weiteren belegt die gfu Studie: Smarte TVs sind in den Haushalten angekommen. Schon 42 Prozent der Befragten besitzen ein solches Gerät. Davon sind 88 Prozent an das Internet angeschlossen. Die Smart-Funktionen werden von 56 Prozent auch genutzt, in der Altersgruppe 16 bis 39 sogar von 65 Prozent. Dies führt auch dazu, dass die Zuschauer seltener zu den festgelegten Sendezeiten fernsehen. Im Schnitt sind dies 41 Prozent (38 % im Vorjahr), bei den 16 bis 39 Jährigen liegt die Zahl bei 57 Prozent, bei den über 60 Jährigen bei 27 Prozent. Insgesamt bleibt die TV-Nutzung entgegen vieler anderer Erwartungen aber weiterhin attraktiv. 59 Prozent der 16 bis 39 Jährigen gaben an, nun mehr Zeit vor dem TV zu verbringen als ohne Smart TV, da sie mit den vernetzten Geräten häufiger passende Sendungen finden. Ebenfalls 59 Prozent dieser Altersgruppe sind generell bereit, für Programminhalte zu bezahlen, die 60+-Gruppe nur zu 16 Prozent. So überrascht es nicht, dass die Mediatheken mit 60 Prozent auf Platz eins bei der Nutzung der smarten Funktionen liegen, gefolgt von Video on Demand mit 56 Prozent und Videoclips mit 54 Prozent. Auch hier zeigt sich ein großer Unterschied zwischen den Altersgruppen: Video on Demand schauen nur 35 Prozent der über 60 Jährigen, dagegen 74 Prozent der 16 bis 39 Jährigen. Videoclips sehen 68 Prozent der Altersgruppe 16 bis 39 und nur 31 Prozent der Gruppe 60+.


„Besonders interessant ist dabei, dass sich damit die Herkunft der Programminhalte deutlich in Richtung amerikanischer Anbieter verschiebt. Während das lineare Fernsehen überwiegend lokalen Ursprungs ist, wird die Beliebtheit bei den Angeboten aus dem Internet von Amazon Prime mit 73 Prozent angeführt. Netflix folgt mit 41 Prozent auf Platz zwei und Google Play mit 28 Prozent auf Platz drei. Der deutsche Anbieter Maxdome kommt mit 24 Prozent auf Platz vier“, konstatiert Hans-Joachim Kamp.

 

Quo vadis VR?

Wie wird sich der Markt für Virtual Reality (VR) entwickeln? Die Technik steht im Zentrum medialer Aufmerksamkeit, doch lediglich 15 Prozent der in der gfu Studie Befragten sind an Virtual Reality interessiert. Nur vier Prozent besitzen bereits entsprechende Geräte, während 63 Prozent Desinteresse äußerte. Für 18 Prozent ist der Begriff sogar unbekannt. VR wird überwiegend für den Gaming-Bereich als interessant gesehen (55 %), 51 Prozent sehen Anwendungen in der Raumplanung, 44 Prozent bei TV-Dokumentationen, 36 Prozent im Medizinbereich, 32 Prozent für Freizeitparks und 27 Prozent in der Stadtplanung.

 

Geteilte Meinung zur vernetzten Gesundheit

Unterschiedliche Meinungen haben die Befragten zur vernetzten Gesundheit. Auf der Seite der positiven Einstellung stehen 51 Prozent, die eine Einführung der elektronischen Gesundheitskarte befürworten, 38 Prozent, die Lebenserleichterungen für chronisch Kranke sehen und 37 Prozent, die Kosteneinsparungen durch Telemedizin erwarten. Auf der negativen Seite wurde mit 53 Prozent ein befürchteter Datenmissbrauch durch Dritte sowie mit 50 Prozent die Sorge, dass der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient verloren geht, genannt.

 

Kochen weiterhin sehr beliebt, höhere Ausgaben

Kochen bleibt ein Trendthema. So gaben 53 Prozent in der Befragung an, gern für Partner, Familie und Freunde zu kochen. 44 Prozent verbringen gern Zeit mit der Zubereitung gesunder Nahrung. Für ebenfalls 44 Prozent ist die Qualität bei Nahrungsmitteln wichtiger als der Preis. Große Unterschiede zwischen den Altersgruppen gibt es hier bei der Ausgabebereitschaft: Über alle Altersgruppen hinweg wollen 15 Prozent der Befragten künftig mehr Geld für Küchen- und Kochequipment ausgeben. 21 Prozent der 16 bis 39 Jährigen sprechen sich dafür aus, in der Altersgruppe 60+ sind es dagegen nur sieben Prozent. Insgesamt positiv beurteilen die Studienteilnehmer eine Wohnküche, 26 Prozent sind auch so eingerichtet. 32 Prozent der Haushalte, die bisher eine separate Küche haben, wünschen sich für die Zukunft eine Wohnküche. Auch hier liegt die Zustimmung bei den 16 bis 39 Jährigen mit 40 Prozent wieder über dem Durchschnitt.

 

„Die Technik-Nutzung ist auf einem hohen Niveau, vielfach gibt es aber unterschiedliche Akzeptanz in den Altersgruppen. Auch die Anschaffungsbereitschaft für Consumer Electronics und Home Appliances ist unter den Befragten hoch. Dies sind beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche IFA von 1. bis 6. September in Berlin, die als internationaler Marktplatz und Treffpunkt der Branchen wieder einen umfassenden Überblick zu Neuheiten und Produkt-Premieren bieten wird“, so Hans-Joachim Kamp abschließend.

Menu