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Interview mit Joachim Gast von GN Hearing/ReSound...

31. Juli 2018

Interview mit Joachim Gast von GN Hearing/ReSound Hörgeräte:
„Halb-Banane hinterm Ohr war gestern“

Die gesellschaftliche Akzeptanz von Hörgeräten ist deutlich gestiegen, sagt Joachim Gast, auch dank der innovativen Projekte von ReSound. Im Interview mit dem gfu-Blog spricht der langjährige Geschäftsführer von GN Hearing / ReSound Hörgeräte über Konnektivität, Kooperationen mit Miele und der Bahn AG sowie den Wandel vom stigmatisierten Medizinprodukt zum hippen Accessoire.

 

 

Herr Gast, das Thema Hörschwäche ist in den letzten Jahren deutlich präsenter. Woran liegt das?

Auch ein stückweit an uns. Bisher wurde in diesem Zusammenhang meist von Gesundheitsschaden, Hörverlust und Volkskrankheit gesprochen. Unser Anteil an der Neupositionierung des Hörgerätes ist, dass wir darin smarte Vernetzungslösungen unterbringen und damit eine neue Leichtigkeit schaffen. Natürlich ist es noch ein Medizinprodukt, aber es hat nun Faktoren, die man aus Consumer-Welten kennt.

Sie sprechen von der LiNX-Technologie?

Genau. Das war 2014 das erste auf das iPhone zugeschnittene Hörgerät. Über die App kann man komfortabel und diskret Navigationsansagen, Telefonie und Musik direkt auf die Hörgeräte streamen. Früher war die Produktwelt konservativer. Viele Akustikfachgeschäfte hatten noch Vorhänge vor den Schaufenstern, denn viele Endkunden wollten nicht etwa vom Nachbarn oder Bekannten gesehen werden. Das ist inzwischen kein Dilemma mehr.

Was auch an der Form liegt. Sie sagten einmal: Die „Halb-Banane hinterm Ohr“ muss gar nicht mehr sein. 

Richtig. Die Miniaturisierung der Geräte bei gleichzeitiger Leistungssteigerung der Komponenten , hat die gesellschaftliche Akzeptanz der Geräte deutlich erhöht. Wie eine Forsa-Umfrage ergab, erachten Hörgeräte-Nutzer das Thema Konnektivität aber inzwischen als noch wichtiger als die optische Größe. Das war vor zehn Jahren noch anders.

Wie erklärt sich das historisch? Eine Brille, die man letzlich aufgrund einer Sehbehinderung trägt, gilt schon lange als modisches Accessoire.

Früher trugen die Gelehrten oft eine Brille, daher war das Thema durchaus positiv besetzt, symbolisierte Intelligenz und Belesenheit. Mit schlechtem Hören wurde eher mangelndes Verständnis assoziiert: „Hörst du mich nicht oder verstehst du mich nicht? Bist du dumm?“ 

Eine klassische Stigmatisierung.

Die tritt aber nicht mehr ein, sobald ich ein Hörgerät trage. Heute kann ich dem Nachbarn meine Hörhilfe zeigen und die smarten Funktionen wie App-Steuerung, Richtungshören, Geotagging etc. erklären. Das ist nun eben kein großes Gerät mehr, das laut piept, wenn man es berührt.  

Hilft auch der anhaltende Kopfhörer-Trend in der CE-Branche der gesellschaftlichen Wahrnehmung des Hörgerätes? 

Ja, dieseEinschätzung teile ich vollkommen. Auch wenn es sich bei Hörgeräten weiterhin um Medizinprodukte handelt, die der Hörakustiker anpassen muss, äußerlich wird der Unterschied zwischen einem Hearable und einem Hörgerät bald nicht mehr erkennbar sein.

Sie haben die iPhone-Steuerung von 2014 erwähnt. Wie weit sind Sie heute?

Für die App haben wir etwas cooles Neues, und zwar den Akustiker Online Service. Damit kann mein Hörakustiker mir Updates für spezielle Hör-Situationen schicken, die ich umgehend auf mein Gerät hochladen kann. Wir dehnen auch die Konnektivität ständig aus, Smart Watches und Android-Geräte sind jetzt ebenfalls kompatibel. Das ist nicht nur für die Nutzer komfortabel, sondern sorgt auch dafür, dass die Hörakustik ein besonders modernes Gesundheitshandwerk ist.

Auch durch interessierte Nachwuchskräfte?

Das Berufsbild war immer schon vielschichtig und anspruchsvoll. Dienstleistungen rund um die smarte Konnektivität nehmen nun mehr Raum ein und schaffen hohen Mehrwert für die Nutzer. Durch die technischen Entwicklungen wird auch eine neue Zielgruppe auf den Beruf aufmerksam.

Ihre Kooperationen mit Miele und der Deutschen Bahn gelten ebenfalls als zukunftsträchtig. Wie kam es dazu? 

Mit der Deutschen Bahn AG sind wir auf der IFA in Kontakt gekommen. Bei unserem Gemeinschaftsprojekt am Bahnhof Südkreuz in Berlin ging es initial um die Übermittlung von Sprachmitteilungen und Durchsagen auf die Hörgeräte von Reisenden. In verschiedenen Workshops konnten wir von unserer Seite beitragen, was im Bereich der Sprachübertragung mit smarter ReSound-Technologie heute schon möglich ist. Das ist die Basis für die nächsten Schritte. 

Die Zusammenarbeit mit Miele zielt dagegen auf das Smart Home. Wie passt das?

Wir sind überzeugt, dass das Ohr als menschliche Schnittstelle noch massives Potenzial in diesem Bereich hat. Unser gemeinsamer Use Case war: Die Statusmeldung eines Miele-Wäschetrockners wird auf die Hörgeräte von ReSound gestreamt. Das Echo auf und nach der IFA, von Endkunden, Händlern und Journalisten, war sehr positiv. Diese Kooperation werden wir fortsetzen. Sie passt gut zu der hohen Innovationskraft beider Unternehmen. 

Herr Gast, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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